Die Darm-Hirn-Achse
Heute möchte ich dir von einem Thema berichten, das in der Medizin und der Wissenschaft immer mehr Aufmerksamkeit bekommt: Die Darm-Hirn-Achse, beziehungsweise die Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse. Denn die Milliarden kleiner Bewohner in unserem Darm können sich ebenfalls auf die Kommunikation des Darms mit dem Gehirn auswirken.
Die Kommunikation zwischen Darm, Mikrobiom & Gehirn
Dein Darm und dein Mikrobiom können also direkt und indirekt mit deinem Gehirn kommunizieren. Das geschieht über neuronale Verbindungen und über Botenstoffe wie Hormone und Entzündungsmediatoren.
So können sich Darm und Gehirn gegenseitig beeinflussen:[1,2]
Probleme, vor allem Entzündungen im Darm können eine systemische Entzündung auslösen, die sich sogar auf das Gehirn niederschlagen kann. Im Gehirn kann es dann zu Neuroinflammation kommen - oft begleitet von Symptomen wie Konzentrations- und Gedächtnisproblemen sowie Brain Fog.
Stress kann direkt vom Gehirn an dein Verdauungssystem weitergegeben werden und so deine Verdauung beeinträchtigen: Nährstoffe können nicht gut verdauut und aufgenommen werden und es kommt häufiger zu Durchfällen.
Du siehst also, wenn es darum geht, Brain Fog, Stimmungsschwankungen und Konzentrationsprobleme loszuwerden, müssen wir uns unbedingt auch den Darm anschauen, da dieser in stetigem Austausch mit dem Gehirn steht.
Im Folgenden einige Beispiele, wie sich dein Darm auf das Gehirn auswirken kann:
Leaky Gut: Ein Leaky Gut kann zu einer systemischen Entzündung, sowie schlechterer Nährstoffaufnahme führen. Die Folgen: Brain Fog, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme. [3,4,5]
Mikrobiom-Dysbiose: Eine Fehlbesiedelung der Mikroben im Dickdarm kann zu verringerter Produktion nützlicher Stoffe sowie zu erhöhter Produktion toxischer Stoffe wie Schwefelwasserstoff (stinkende Blähungen) führen. Die Folgen: Brain Fog, Gedächtnis- und Lernprobleme, Heißhunger.[5,6,7,8]
SIBO: Bei einer Dünndarmfehlbesiedelung kommt es häufig zu Nährstoffmängeln und vor allem bei einer Schwefelwasserstoff-SIBO zu übermäßiger Produktion des stinkenden und toxischen Gases. Die Folgen: Brain Fog, Erschöpfung, verminderte kognitive Leistungsfähigkeit.[9,10]
Allergien/Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Allergien und Unverträglichkeiten können direkt dem Darm schaden. Die Folgen: Schlafprobleme, beeinträchtige Konzentration, Heißhunger & Binges, teilweise sogar Angstzustände - je nach Art der Allergie.[11]
Neurotransmitter im Darm
Unsere Darmzellen und auch bestimmte Mikroben können Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin, Glutamat und GABA direkt im Darm produzieren. Bei Serotonin werden sogar 95 % des gesamten Serotonins unseres Körpers im Darm produziert! Aber tatsächlich können Neurotransmitter, die im Darm produziert werden, die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden und sich so auch nicht direkt auf das Gehirn auswirken.[12,13]
Über den Vagusnerv können aber dennoch Signale von Neurotransmittern aus dem Darm an das Gehirn weitergeleitet werden und dort einen Effekt haben. Und so kann das Mikrobiom durch seinen Einfluss auf die Produktion von Neurotransmittern direkt einen Einfluss auf die eigene Stimmung haben.[12,13]
Der Darm & Neurodivergenz
Es gibt zunehmend mehr Studien zum Thema Darmgesundheit bei Neurodivergenz. So wurde bei Menschen mit Autismus sehr häufig ein typischen Bild einer mikrobiellen Dysbiose gefunden. Auch bei Menschen mit ADHS findet sich häufig eine Dysbiose, allerdings gibt es hier im Gegensatz zum Autismus kein typisches “ADHS-Mikrobiom”. Sowohl Autist’innen als auch ADHSler’innen haben vermehrte Verdauungsbeschwerden und zeigen häufiger messbare Marker für Leaky Gut erhöhte Entzündungen.[14,15,16]
In ersten Interventionsstudien zeigte sich sogar eine geringfügige Verbesserung der Symptomatiken bei Probiotika-Gabe (Q). Für eine gesichtere Aussage sind aber weitere Studien nötig.[17]
Jetzt kennst du alle wichtigen Grundlagen zum Thema der Darm-Hirn-Achse.
Wenn du dein Wissen vertiefen möchtest und deine Verdauungsprobleme sowie deren Auswirkungen besser verstehen möchtest, habe ich einen Guide für dich geschrieben. Darin findest du alles wichtige darüber, wie der Darm dein Gehirn beeinflussen kann, welche Rolle Neurotransmitter und Hormone dabei spielen und wie du mit der richtigen Diagnostik und Therapie deine Verdauungsprobleme in den Griff bekommen kannst.
Quellen:
[1] Elfers, K., Mazzuoli-Weber, G. (2024). Die Darm-Hirn-Achse (gut-brain axis). In: Moser, G., Goebel-Stengel, M., Stengel, A. (eds) Psychosomatik in der Gastroenterologie und Hepatologie. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-68436-8_3
[2] Elsenbruch, S. (2024). Störungen der Darm-Hirn-Achse (gut-brain axis). In: Moser, G., Goebel-Stengel, M., Stengel, A. (eds) Psychosomatik in der Gastroenterologie und Hepatologie. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-68436-8_4
[3] Kearns R. (2024). Gut-Brain Axis and Neuroinflammation: The Role of Gut Permeability and the Kynurenine Pathway in Neurological Disorders. Cellular and molecular neurobiology, 44(1), 64. https://doi.org/10.1007/s10571-024-01496-z
[4] Di Vincenzo, F., Del Gaudio, A., Petito, V., Lopetuso, L. R., & Scaldaferri, F. (2024). Gut microbiota, intestinal permeability, and systemic inflammation: a narrative review. Internal and emergency medicine, 19(2), 275–293. https://doi.org/10.1007/s11739-023-03374-w
[5] Chae, Y. R., Lee, Y. R., Kim, Y. S., & Park, H. Y. (2024). Diet-Induced Gut Dysbiosis and Leaky Gut Syndrome. Journal of microbiology and biotechnology, 34(4), 747–756. https://doi.org/10.4014/jmb.2312.12031
[6] Mou, Y., Du, Y., Zhou, L., Yue, J., Hu, X., Liu, Y., Chen, S., Lin, X., Zhang, G., Xiao, H., & Dong, B. (2022). Gut Microbiota Interact With the Brain Through Systemic Chronic Inflammation: Implications on Neuroinflammation, Neurodegeneration, and Aging. Frontiers in immunology, 13, 796288. https://doi.org/10.3389/fimmu.2022.796288
[7] Mhanna, A., Martini, N., Hmaydoosh, G., Hamwi, G., Jarjanazi, M., Zaifah, G., Kazzazo, R., Haji Mohamad, A., & Alshehabi, Z. (2024). The correlation between gut microbiota and both neurotransmitters and mental disorders: A narrative review. Medicine, 103(5), e37114. https://doi.org/10.1097/MD.0000000000037114
[8] Frahm, C., Witte, O.W. Mikrobiom und neurodegenerative Erkrankungen. Gastroenterologe 14, 166–171 (2019). https://doi.org/10.1007/s11377-019-0345-2
[9] Rao, S. S. C., Rehman, A., Yu, S., & Andino, N. M. (2018). Brain fogginess, gas and bloating: a link between SIBO, probiotics and metabolic acidosis. Clinical and translational gastroenterology, 9(6), 162. https://doi.org/10.1038/s41424-018-0030-7
[10] https://sibo-academy.de/blog/beitraege_sibo/schwefelwasserstoff-bildende-darmbakterien-sibo/
[11] Zhou, L., Chen, L., Li, X., Li, T., Dong, Z., & Wang, Y. T. (2019). Food allergy induces alteration in brain inflammatory status and cognitive impairments. Behavioural brain research, 364, 374–382. https://doi.org/10.1016/j.bbr.2018.01.011
[12] Qu, S., Yu, Z., Zhou, Y., Wang, S., Jia, M., Chen, T., & Zhang, X. (2024). Gut microbiota modulates neurotransmitter and gut-brain signaling. Microbiological research, 287, 127858. https://doi.org/10.1016/j.micres.2024.127858
[13] Huang, F., & Wu, X. (2021). Brain Neurotransmitter Modulation by Gut Microbiota in Anxiety and Depression. Frontiers in cell and developmental biology, 9, 649103. https://doi.org/10.3389/fcell.2021.649103
[14] Bundgaard-Nielsen, C., Knudsen, J., Leutscher, P. D. C., Lauritsen, M. B., Nyegaard, M., Hagstrøm, S., & Sørensen, S. (2020). Gut microbiota profiles of autism spectrum disorder and attention deficit/hyperactivity disorder: A systematic literature review. Gut microbes, 11(5), 1172–1187. https://doi.org/10.1080/19490976.2020.1748258
[15] Soltysova, M., Tomova, A., Paulinyova, M., Lakatosova, S., Trebaticka, J., & Ostatnikova, D. (2025). Gut microbiota in children and adolescents with autism, ADHD and anorexia nervosa, and its link to the levels of satiety hormones. Neuroscience, 585, 394–407. https://doi.org/10.1016/j.neuroscience.2025.08.020
[16] Caputi V, Hill L, Figueiredo M, Popov J, Hartung E, Margolis KG, Baskaran K, Joharapurkar P, Moshkovich M, Pai N. Functional contribution of the intestinal microbiome in autism spectrum disorder, attention deficit hyperactivity disorder, and Rett syndrome: a systematic review of pediatric and adult studies. Front Neurosci. 2024 Mar 7;18:1341656. doi: 10.3389/fnins.2024.1341656. PMID: 38516317; PMCID: PMC10954784.
[17] Sun, W., Ma, L., Feng, X., Fan, Y., Cai, Y., & Li, X. (2025). Efficacy of gut microbiota-based therapy for autism Spectrum Disorder and attention Deficit Hyperactivity Disorder: a systematic review and meta-analysis. Psychology, Health & Medicine, 1–25. https://doi.org/10.1080/13548506.2025.2565181